Wilderei in Deutschland

Bei Wilderei denkt man oft an ferne Kontinente und populäre Arten wie Nashörner und Tiger. Doch auch direkt vor unserer Haustür finden illegale Tötungen und Entnahmen statt!

Welche Arten sind betroffen? Besonders oft im Visier der Wilderer finden sich Arten wie Wolf und Luchs. Aber auch Greifvögel und Fischotter werden häufig Opfer illegaler Jagd oder Fallen. Motivationen dahinter gibt es einige. Neben der Wilderei zum Spaß oder für Trophäen, werden umstrittene Arten so ungeachtet vom Schutzstatus beseitigt. So genannte „Human-Wildlife Conflicts“ sind dabei oft auslösend: Viehhalter, bei denen der Wolf Tiere gerissen hat. Jäger, denen der Luchs die Jagd auf Rehe erschwert oder Angler, die in Ottern einen Konkurrenten um die Fischbestände sehen sind nur einige Beispiele. Greifvögel werden mit Ködern vergiftet, um sie beispielsweise von Geflügelfarmen fernzuhalten. Abgesehen davon ist die Nachfrage nach Wildfleisch von Reh, Hirsch und Wildschwein auf dem deutschen Markt in den letzten Jahren gestiegen. In den Jahren 2017/2018 wurden 36.000 Tonnen Wildfleisch verzehrt. Dieser Verbrauch kann nur zu 50% durch nachhaltige Nutzung heimischer Bestände gedeckt werden. Hier lässt sich schnelles Geld machen.

Aber auch der Handel mit lebendigen Tieren, vor allem mit wild gefangenen Singvögeln, Reptilien und Amphibien ist lukrativ. Private Sammler legen hier oft viele hundert Euro für seltene Arten auf den Tisch.  

Warum werden Wilderer selten überführt?

Pro Jahr werden mehr als 1000 Fälle von Wilderei in Deutschland erfasst – und die Dunkelziffer ist hoch! Unverwertbare Kadaver werden oft achtlos im Wald liegen gelassen und nur zufällig oder gar nicht gefunden. Teilweise werden Tiere nur verletzt, flüchten und verenden erst Tage später. Andere werden tot an Straßenrändern deponiert, um die Todesursache zu verschleiern. Nur jeder dritte Täter wird gefasst. Munition lässt sich meist nicht zurückverfolgen. Jagdwilderei ist eine schwerwiegende Straftat, nach Paragraf 292 des Strafgesetzbuches sowie den Paragrafen 4 und 17 des Tierschutzgesetzes. Wer das Jagdrecht verletzt kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu 3 Jahren bestraft werden. In besonders schweren Fällen, wie Wilderei während der festgelegten Schonzeit oder mit illegalen Fallen, steigt das Strafmaß sogar auf bis zu 5 Jahre. Jagdverbände beklagen jedoch immer öfter Fälle von Wilderei, welche von Polizei und Politik nicht ernstgenommen oder wegen mangelndem Interesse nicht verfolgt werden. Außerdem gibt es gerade beim Handel mit illegal gefangenen Tieren breite Netzwerke, in denen man sich gegenseitig deckt.

Wilderei bedroht die Biodiversität unserer heimischen Ökosysteme! Und sie macht oft in kurzer Zeit viel Arbeit zunichte, die in Wiederansiedelungs- und Renaturierungs-Programme geflossen ist, wie am Beispiel der Luchse im Bayrischen Wald zu sehen ist. Hier sind allein zwischen 2010 und 2016 mindestens fünf Tiere absichtlich getötet worden, 14 Tiere gelten als verschollen. 

Doch was wird dagegen unternommen? Was können Sie selbst tun?

Innerhalb von Nationalparks werden bestimmte Arten oft mit Hilfe von Sendern und Kammerfallen überwacht, doch selbst damit kann oft nur das Verschwinden eines Individuums belegt werden.
Beobachtete Vorfälle von Wilderei können direkt bei der Polizei gemeldet werden. Sollten Sie selbst ein totes Wildtier finden und Anzeichen potenzieller Wilderei erkennen, informieren Sie bitte ebenfalls die Polizei. Nehmen Sie das Tier nicht mit! Sie könnten sich dann selbst der Wilderei strafbar machen. Halten Sie die Augen nach unseriösen Angeboten und Handel mit geschützten Tieren auf.

Wir alle können einen Beitrag leisten dieses Thema in Deutschland ernst zu nehmen!