Traditionelle Chinesiche Medizin

 

Die Jahrtausende alte Traditionelle Chinesische Medizin ist inzwischen über ihren ostasiatischen Entstehungsraum hin bekannt und wird weltweit praktiziert. Neben Akupunktur und Akupressur haben auch  diverse Massagetechniken, wie Shiatsu, und Bewegungstherapien, wie Tai Chi und Qigong, ihren Ursprung in der TCM. Wichtiger Bestandteil der TCM ist außerdem die eigene Ernährungslehre und die Chinesische Arzneimitteltherapie.

Ungefähr 1.500 Tier- und über 5.000 Pflanzenarten sind Bestandteile von TCM-Präparaten. Gerade bei Tierprodukten gilt: je exotischer, desto besser. Dahinter steckt der Aberglaube, dass die Eigenschaften und Kräfte der Tiere beim Konsum auf den Menschen übergehen. So werden jährlich Millionen von Wildtieren zu Pasten und Tinkturen verarbeitet. Aber auch Lebensmittel aus Tierprodukten, wie z.B. Tigerwein, sind gefragt. Die Grenze zwischen Arzneimitteln und vermeintlich stärkenden Speisen ist fließend.

Die große Nachfrage und der daraus resultierende illegale Handel mit Wildtierprodukten tragen eine große Mitverantwortung bei der Bedrohung und gar dem Aussterben von immer mehr Tierarten.

Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich Tigerprodukte, da dem Tiger Eigenschaften wie Mut, Kraft und Stärke nachgesagt werden. Über 100 TCM-Rezepte verwenden Bestandteile von Tigern, dabei werden so gut wie alle Körperteile verarbeitet. Diese sollen vermeintlich gegen Asthma, Tollwut, Krämpfe und sogar Faulheit helfen. Vor rund 100 Jahren gab es weltweit noch ca. 100.000 freilebende Tiger, die Zahl hat sich inzwischen durch Wilderei auf etwa 3.900 Tiere reduziert. Da die Nachfrage aber noch immer sehr hoch ist, werden zunehmend Löwen und andere Großkatzen gewildert, um die Tigerprodukte zu ersetzen.

Ein weiteres bekanntes Opfer des medizinischen Aberglaubens ist das Nashorn. Sein Horn wird zu Pulver gemahlen und soll angeblich sogar Krebs heilen können. Dabei besteht das Horn aus Keratin – dem gleichen Material wie menschliche Fußnägel – und ist völlig wirkungslos. Dennoch werden jährlich etwa 1.000 Nashörner durch Wilderei getötet, damit ihr Horn für vermeintlich medizinische Zwecke auf dem Schwarzmarkt verkauft werden kann.

Das Pangolin, auch bekannt als Schuppentier, ist das am stärksten gewilderte Säugetier der Welt. Für TCM-Präparate werden vor allem die gemahlenen Schuppen – ebenfalls aus Keratin –  benutzt. Diese sollen alle möglichen Hautkrankheiten heilen, aber auch Kopfschmerzen und Menstruationsbeschwerden lindern können. Neben dem Konsum von gemahlenen Schuppen werden Pangoline auch als Wein dargeboten. Dabei werden die Tiere im Ganzen in Alkohol und Kräutern eingelegt.

Darüber hinaus werden in der TCM noch viele weitere Arten verwendet, die stark gefährdet, aber nicht so bekannt sind. Innerhalb von 40 Jahren ging der Bestand der Saiga-Antilope von 1,25 Millionen Tieren auf 100.000 zurück, da diese massiv für TCM-Produkte gewildert werden. Dem Horn der Saiga-Antilope werden ähnlich sagenumwobene Heilkräfte nachgesagt und soll besonders effektiv in Kombination mit Rhino-Horn wirken. Dabei besteht es genauso wie auch das Horn des Nashorns aus Keratin und ist somit völlig wirkungslos.  

Ein weiterer Bestandteil von TCM-Präparaten ist die Bärengalle. Diese wird in China und anderen südostasiatischen Ländern durch das sogenannte „Melken“ von Bären auf Bärenfarmen gewonnen. Die Bären werden in viel zu kleinen Käfigen eingesperrt und dann wird ihnen ein Katheter durch die Bauchdecke gerammt, um den Gallensaft zu gewinnen. Dieser soll vermeintlich gegen Augen- und Leberbeschwerden helfen. Die Bären halten dieser Prozedur nicht lange stand, sodass die Farmen stetig neu aufgestockt werden müssen. Hierfür werden oft Tiere der Wildnis entnommen.

Auch Schlangen, Schildkröten und Seepferdchen sind Bestandteile von TCM-Präparaten. Gerade Schlangen und Schildkröten werden dafür inzwischen extra auf Farmen gezüchtet, um den Anschein zu wahren, als würde man die Wildbestände entlasten und nicht weiter gefährden wollen. Die Farmen werden jedoch regelmäßig mit gewilderten Tieren aufgestockt.

TCM Berufsverbände haben sich weltweit dazu verpflichtet, keine Bestandteile bedrohter Tierarten mehr zu verwenden. Die Nutzung von Nashorn- und Tigerpräparaten ist sogar offiziell verboten. Chinesische Wissenschaftler forschen daran, wie man bestimmte Tierteile synthetisieren oder durch andere Produkte ersetzen kann.

In Europa sind Bestandteile von Tigern, Bären und Nashörnern nicht legal erhältlich und werden dementsprechend auch in der europäischen TCM nicht eingesetzt. Trotzdem kann man auch hier noch immer Produkte aus Seepferdchen, Schlangen oder Schildkröten finden, obwohl einige Arten bereits unter Schutz gestellt wurden.

Dennoch ist der Handel mit diesen Tieren in einem gewissen Maße noch erlaubt, sodass dies auch ausgeschöpft wird.  Anders sieht es zum Beispiel in China aus. Dort gibt es einen florierenden Schwarzmarkt, auf dem auch Teile von bedrohten Tierarten zu finden sind.